Riechen-Schmecken-Erkennen

Die Weinverkostung

Was benötigt man für eine Verkostung?
Eine geputzte Nase und einen aufnahmebereiten Gaumen (man sollte vorher keine scharfen Pfefferoni gegessen haben. Verkostet kann generell alles werden, üblich ist es jedoch, entweder gleiche Rebsorten von gleichen Jahrgängen aus derselben Region oder aber mehrere Jahrgänge von ein und demselben Wein zu kosten.

Für eine Weinverkostung benötigt man saubere Gläser, ein bisschen Weißbrot, um den Gaumen zu neutralisieren (Speck, Oliven oder Käse sollten erst hinterher serviert werden, weil sie den Geschmack verändern), und Wasser, um zwischen den Proben die Geschmackspapillen wieder auf Vordermann zu bringen.
Mineralwasser wirkt dabei durch die Kohlensäure stärker reinigend als Leitungswasser, wobei man eher zu einem geschmacksneutralen Produkt greifen sollte (kein Heilwasser, das nach Schwefel riecht!)

Zu guter Letzt ein paar Krüge zum Spucken – für jene, die das wollen – oder um überschüssigen Wein zurückzuschütten.

Wie erkennt man „blind“ einen Wein?
Wenn man ihn nicht schon irgendwann einmal getrunken hat, wahrscheinlich gar nicht.
Neben der Verkostungserfahrung, die dafür die wichtigste Voraussetzung ist, gibt es aber noch ein paar Tricks, die manchmal weiterhelfen. Beim Kosten kommt es nämlich nicht nur auf den Gaumen, sondern auch auf das Köpfchen an.

Bekommt man also einen Wein vorgesetzt, den man blind erkennen soll, dann achtet man auf die Farbe der Kapsel (sie könnte einiges verraten) und die Form des Flaschenhalses: Rieslingflasche, Burgunderflasche oder Bordeauxflasche?
Dann sollte man sich die Frage stellen, welche Weine der Gastgeber im Keller hat, beachten, welcher Wein vorher getrunken wurde – meist folgt ein besserer Wein –, und darüber nachdenken, in welche Schublade der „Quizmaster“ wohl greifen wird. Für ein Greenhorn macht man meistens keinen großen Bordeaux auf. Schließlich hilft auch noch die Ausschließungsmethode weiter:„Was ist es sicher nicht?“

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Intuition. Oft errät man leichter einen Wein, indem man sich einfach auf sein Gefühl verlässt, als wenn man alle oben genannten Tricks zur Anwendung bringt …

Wonach riecht und schmeckt denn ...?

JAHRGANGSCHAMPAGNER, PRÉSTIGE-CUVÉES : Biskuit, Haselnuss, Kekse

SAUTERNES: Ananas, Honig, Marillen, Rauch, Zedernholz

TOKAJER: getrocknete Früchte, Honig, Rosinen, Leder, Orangen, Karamel

SHERRY (Fino): idealerweise von Hefe und Meersalz geprägt, nussig, würzig

PORT: schwarze Johannisbeeren, Dörrobst, Zedernholz, Pflaumen, Nüsse

BORDEAUX: schwarze Johannisbeeren, Schokolade, grüne Paprika, Zedernholz, Tabak

BURGUNDER, (rot/Pinot noir): intensiver Duft, bei älteren Burgundern oft geradezu stinkend; Himbeeren, Kirschen, Preiselbeeren, Erdbeeren, oft auch Leder,Waldboden, Pilze,„goût de terroir“, sprich: Geschmack von Boden,Wild, feuchtem Laub etc.

BURGUNDER, (weiß/Chardonnay): Hasel- und Walnüsse, Mandeln, Butter, Toast, Zimt ,Vanille, Zitrone (eher bei Chablis), Rösttöne (vor allem Meursault)

PUILLY-FUMÉ, SANCERRE (Sauvignon blanc): Gras, Feuerstein, Stachelbeeren,
viel frische Frucht und Würze

Was ist typisch für die Sorte?
Lassen Sie sich nicht allzu sehr beeindrucken, wenn jemand einen Sauvignon blanc verkostet und dann mit Kennermiene feststellt: „Ein herrlicher Duft nach schwarzen Johannisbeeren!“ Denn genau danach soll ja der Sauvignon riechen und wenn er ordentlich gemacht ist, dann tut er das auch.
So sind die meisten Weine an ihrem sortentypischen Geruch oder Geschmack zu erkennen, der allerdings bei manchen Sorten mehr, bei anderen weniger stark ausgeprägt ist. Hier die wichtigsten Beispiele – als kleine Orientierungshilfe und damit Sie nächstes Mal auch wissen, was Sie sagen sollen, wenn Ihnen jemand ein Glas Sauvignon blanc unter die Nase hält.

WEISSWEINE:
CHARDONNAY : Ananas, Banane, Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Karamel, Vanille, Butter

GRÜNER VELTLINER: würzig, pfeffrig, fruchtbetont; im Alter Brot, Nüsse, Mandeln

MUSKATELLER: grüne Äpfel, Holunderblüten, Zitrusfrüchte

PINOT BLANC (Weißer Burgunder, Klevner): Nüsse, Äpfel, grünes Laub, bei hoher Reife Butter

RIESLING: Pfirsich, Marille, grüne Äpfel, Quitten, Limonen; im Alter Duft nach Petroleum (Benzin)

SAUVIGNON BLANC: Schwarze Johannisbeeren, grüne Paprika, frisch geschnittenes Gras, grüne Blätter, Stachelbeeren, exotische Früchte; Neue- Welt-Weine: gekochter Spargel

TRAMINER/GEWÜRZTRAMINER: Rosenblüten, Gewürze, Gras, Litschis
WELSCHRIESLING: Stachelbeeren, grüne Äpfel, saure Drops, Johannisbeeren

ROTWEINE
BLAUFRÄNKISCH: Brombeeren, Gras, mineralische Bodentöne, Moos, Pilze, manchmal Schokolade

CABERNET SAUVIGNON: Schwarze Johannisbeere, Dörrobst, Schokolade, grüner Paprika, Zedernholz/Zigarrenkiste, Tabak

GRENACHE (Garnacha): Himbeeren, Brombeeren, Kräuter, Pfeffer (u. a. in Châteauneuf-du-Pape,Côtes-du-Rhône, Banyuls, Rioja)

MERLOT: Beeren wie Kirsche, Johannisbeere etc., Zwetschken (Pflaumen), Gewürze

NEBBIOLO: (Rebsorte von Barbaresco, Barolo) Pflaumen,Teer,Veilchen,dunkle Bitterschokolade

PINOT NOIR (Blauer Burgunder): Himbeeren, Walderdbeeren, Kirschen, Preiselbeeren, im Alter: Laub, Unterholz, Leder, Pilze etc.

SANGIOVESE (Hauptrebsorte von Chianti, Brunello, Vino Nobile di Montepulciano): Weichsel, schwarze Kirschen, Gewürze, Tabak, Rauch, Kräuter

ST. LAURENT: Kirschen, Weichseln, Kaffee, Schokolade

SYRAH (SHIRAZ):Schwarzer Pfeffer, Gewürze, Brombeeren, Oliven, Leder, Teer, manchmal Schokolade

TEMPRANILLO: (Hauptrebsorte von Rioja und Ribera del Duero) Erdbeeren, Gewürze, etwas Leder, Karamel, eher schwach aromatisch

ZINFANDEL: Pfeffer, dunkle Beeren, Gewürze

ZWEIGELT: Kirsche,Weichsel, verschiedene Beeren

Unser passender Buchtipp:
Der Österreichische Wein
Klaus Egle
480 Seiten, durchgehend farbig, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-85431-403-5
Preis: € 34,90
Pichler Verlag

Autor: Klaus Egle

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